Mit Album Nummer drei hat Sido scheinbar alles richtig gemacht. Schon in der ersten Woche belegte „Ich und meine Maske“ (Grammatikpuristen weggehört) Platz 1 der deutschen Albumcharts - die erste Spitzenplatzierung für Sido und auch seine erfolgsverwöhnten Aggro-Kollegen, erst vor wenigen Monaten von Groove Attack zum Majorlabel Universal gewechselt. Die persönliche Trilogie des Berliner Rappers ist somit nach eigener Aussage beendet. 5 Jahre nach „Maske“ und 1,5 Jahre nach „Ich“ fühlt sich der Berliner endgültig an der Spitze angekommen. In „eine Zukunft jenseits der Ghettos, Skandale und des Boulevard“ soll ihn sein zukünftiger Weg nun endgültig führen, weg von oberflächlichen und eindimensionalen Rapthemen ohne Inhalt, wie es die Presseinfo verspricht. Das Klischee des typischen Ghettorappers hatte er bereits auf dem Zweitling fast vollständig ablegen können, sein großes Mundwerk aber blieb weiterhin sein Markenzeichen, wie eine liebevoll bedachte Sarah Kuttner schmerzhaft feststellen musste. Und genau dieser Stelle knüpft Sido mit seinem dritten Album an. Zwar lassen sich Ausfälle wie das hochgradig schlüpfrige „Strip für mich“ oder das im Gesamtkontext eindeutig unpassende „Aggrokalypse“ anscheinend nicht verhindern, aber es sind vor allem die kritischen und überlegten Töne, die die Transformation des Protagonisten in Richtung Erwachsensein unterstreichen. So appelliert er nicht nur an die Eltern, sich mehr um ihre Kinder zu kümmern („Augen auf“), sondern legt auch endgültig die Streitigkeiten mit seinem Frankfurter Kollegen Azad auf dem hervorragenden „Pack schlägt sich, Pack verträgt sich“ beiseite. Löblich. Das in diesem Umfeld wohlbekannte Produzententeam Paul NZA und Marek Pompetzki hat mit abwechslungsreichen Beats auch jenseits altbekannter Synthie-Muster gute Arbeit geleistet, die zwar Kracher wie „Mein Block“, „Fuffies im Club“, „Interview“ oder „Goldjunge“ trotz guter Songs wie „Halt dein Maul“ ein wenig vermissen lassen, aber letztlich mit inhaltlicher Geschlossenheit und einem hervorragenden Mastering überzeugen. Nicht, dass hier jetzt ein falscher Eindruck entsteht: feinsinnige poetische Abhandlungen sind nur bedingt die große Stärke des 27-jährigen Paul Würdig, der sich schon mal in beinahe schwülstigem Pathos („Danke“) verliert. Sido aber beweist letztendlich, dass er neben seiner großen Klappe auf Albumlänge wiederholt mit Humor, kritischen Ansätzen und interessanten Ideen wie etwa der Thematisierung seiner Beziehung zu seiner berühmt-berüchtigten Maske (siehe Titelsong) punkten kann. Eine Überraschung ist das aber nach dem bereits sehr guten „Ich“ kaum noch.
-- Steffen Rieger
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