Seit dem ersten Teil von „Shock Value“ ist Timbaland zweifellos fester Bestandteil des Producer-Olymps. Neben unzähligen Megahits und Erfolgsalben von Nelly, Justin & Co. steht sogar der Gewinnertitel des 2008er Eurovision Song Contests auf der Habenseite. Beeindruckend, fürwahr. Was aber noch lange nicht heißt, dass Timbaland fernab jeglicher Kritik ist. Das für Chris Cornell produzierte „Scream“ hatte vor allem dem Sänger sei Dank einige helle Momente, war aber in der Regel etwas zu substanzlos. Das ebenfalls von Timbo produzierte Debütalbum von Keri Hilson krankte vor allem an zu wenig Individualität.
Kritiken, die sich der als Tim Mosley geborene Produzent immer wieder von Kritikern anhören muss, klingen doch viele seiner Produktionen zum Verwechseln ähnlich. Auch der Nachfolger seines Erfolgsalbums ist wieder ein eindeutiger Timbo-Joint. Macht erst mal nichts, denn mit der knackigen Vorabsingle „Morning after dark“ ist ein hotverdächtiger Einstand gelungen. Hier durften die Französin SoShy und Nelly Furtado das Mikrofon mit dem Superstar teilen, und auch der Rest der Gästeliste liest sich beachtlich: neben den unvermeidlichen Justin Timberlake und Keri Hilson (Nelly Furtado hatten wir ja schon) geben sich Katy Perry, Chad Kroeger (Nickelback), Kinderstar Miley Cyrus (Hannah Montana), OneRepublic, der neue Shootingstar Drake und andere (mehr dazu später) die Klinke in die Hand.
New Age-Hiphop, Elektro-Pop, Contemporary R&B. Wie auch immer man das hier nennen mag. Ohne den Autotune-Effekt geht erwarteterweise wenig, was aber dem catchy Pop-Appeal im Endeffekt keinen Abbruch tut. Aber Vorsicht: „Shock Value 2“ ist weniger ein Hiphop-, sondern vor allem ein sauber durchproduziertes Pop-Album mit reichlich catchy Melodien, das auch gar nicht versucht, die Hiphop-Fahne unnötig lange hochzuhalten. Die Hiphop-Elemente beschränken sich schließlich auch auf ganz wenige Einlagen, bei denen sich – Überraschung! - die ehemalige R&B-Chanteuse Brandy unter ihrem neuen Rap-Alter Ego Bran’Nu positiv hervorheben kann („Meet in the middle“, „Symphony“).
Der Rest wird weitestgehend bestimmt von flottem Power-Pop („We belong to the music“, „If we ever meet again“), zeitgemäßem R&B (“Carry out”, “Ease off the liquor”) und Coldplay-soundalikes („Undertow“). Grade bei letzterem ist The Fray durchaus zuzutrauen, dass ihnen ähnliches wie OneRepublic gelingen könnte. Die vierköpfige Rockband aus Denver wurde zwar schon für zwei Grammys nominiert, ist aber hierzulande dem Mainstream noch weitestgehend unbekannt. Daughtry sind zwar nicht ganz so unbekannt, könnten aber mit „Long way down“ ähnlich durchstarten. Die Jungs rocken so, wie man es eher von Chad Kroeger erwartet hätte, der „Tomorrow in the bottle“ dennoch dank seines charismatischen Gesangs seinen Stempel aufdrückt.
Timbaland weiß halt, wie es geht. Und dafür braucht er nicht mal besonders viel Mut. Es genügt halt doch irgendwie, stilprägend zu sein und diese Trumpfkarte immer wieder in Kombination mit einem guten Händchen für Gaststars auszuspielen. Das funktioniert oft, wenn auch nicht immer. Aber das kann man Mr. Mosley nun wirklich nicht ankreiden. Oder?
-- Steffen Rieger
Ihr könnt euch gut schriftlich ausdrücken, seid interessiert an Hiphop und Musik im Allgemeinen und habt ausserdem Lust, uns ehrenamtlich als Redakteure für die Magazinbereiche News, Reviews, Interviews und Konzertberichte zu unterstützen? Dann schreibt uns eine kurze Nachricht mit ein paar persönlichen Worten zu Euch, Euren Kenntnissen und der Tätigkeit, die Ihr gerne für WebBeatz wahrnehmen möchtet. Bitte denkt daran, dass wir eine Arbeitsprobe benötigen, um uns ein Bild über eure Fähigkeiten zu machen. Ihr wiederum solltet jede Menge Zeit und Enthusiasmus mitbringen.
Wir freuen uns über jede ernst gemeinte Unterstützung!